Göscheneralp-Tal und die Verbundenheit

Göscheneralp-Tal und die Verbundenheit
September 2025
Trennung verursacht Krankheiten, Leid und Krieg, so wie die Verbindung diese Wunden zu heilen vermag.
Als Wanderer pflege ich die Verbindung mit der Natur, als kleiner Teil von ihr, von uns. Wir sind noch immer Nomaden, wandern als Gast der Erde mit Respekt und Liebe.
Weg vom Gewohnten, fort vom Alltag und hinein ins nächste kleine Abenteuer.
In dieser atemberaubend schönen Landschaft ist es schwieriger, nicht an Feen und Zwerge zu glauben als andersrum. Stundenlang begegnen wir keinem anderen Menschen. Das macht es einfach in den Rhythmus der Natur einzutauchen, in ihm zu schwimmen und sich treiben zu lassen. Mit allen Sinnen. Im Hier und Jetzt. Einfach wunderbar.
In der Hälfte des zweiten Tages kreuzen wir den Weg mit einer jungen und humpelnden Frau. Sie sei gestürzt und habe sich das Bein und den Fuss verletzt. Sie sei allein unterwegs und ihr Telefon habe keine Verbindung. Unsere auch nicht. Seit zwei Stunden quäle sie sich den Berg runter, Schritt um Schritt, mit Schmerzen und schwankender Hoffnung auf Rettung. Später werden wir erfahren, dass sie dies mit einem gebrochenen Wadenbein getan hat.
Noch während unsere Gedanken nach Möglichkeiten der Alarmierung und Rettung am Suchen sind, kommt von irgendwo dieser helfende Engel her. Die Engelin habe kurz vor der Tour von ihrer Mutter ein Ortungs-Satelliten-Gerät geschenkt bekommen, weil sie sich nicht davon habe abhalten lassen wollen, weiterhin allein auf Bergtouren zu gehen. Sie habe gehofft es nie brauchen zu müssen. Jetzt freuen wir uns alle über dieses tolle Geschenk von ihrer Mutter.
Vom Absetzen des Notrufsignals bis zum Auftauchen des Rega-Helikopters am Horizont vergeht keine Stunde. Pure Magie.
Das Schöne daran. Jeder Mensch, der in dieser Geschichte vorkommt, ist voll von Güte, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Die eigenen Interessen werden hintenangestellt, bis die Notlage überstanden ist.
In der Not helfen wir uns auf natürliche Art und Weise. Das ist nicht anstrengend, es ist einfach da, in uns drin.
Ich wünsche mir, dass es nicht immer erst Notsituationen braucht, um die Verbindung zu erkennen und die Verbindung zu leben. Wie wäre es wohl, wenn wir ein bisschen mehr Fragen statt Tratschen? Ein bisschen mehr Einfühlen und Verständnis zeigen, statt zu verurteilen? Oder wie wäre es, wenn wir statt stärker, besser, schneller, uns mehr nach Bewusst, Klar und Achtsam ausrichten täten? Make Love not War. Weniger Gegeneinander – mehr Miteinander.


Liebes Göscheneralp-Tal es war wunderschön bei Dir. Vielen Dank.

